
Neben dem staatlichen Lehrplan des türkischen Bildungsministeriums (MEB) bieten einige Privatschulen ihren Schülerinnen und Schülern Schulabschlüsse an, die als International Baccalaureate (IB), Abitur und Matura bekannt sind.
Zusätzlich zu Ihrem MEB-Abschluss können Sie in der 11. Klasse ein IB-, Matura- oder Abitur-Programm wählen. Diese international anerkannten Diplomprogramme dauern in der Regel zwei Jahre. Neben den MEB-Fächern belegen Sie Fächer, die Sie selbst auf Standard- oder Leistungsniveau wählen. Wer beispielsweise einen Bachelor in Medizin, Physik oder Chemie anstrebt, sollte die naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächer auf höherem Niveau belegen – das ist bei der Bewerbung an Hochschulen ein gefragtes Kriterium. Ebenso erleichtert es die Bewerbung für einen Bachelor in Ingenieurwissenschaften und verwandten Fächern, wenn sowohl geisteswissenschaftliche als auch naturwissenschaftliche Fächer auf höherem Niveau (HL) belegt wurden. Das IB wird an vielen renommierten Gymnasien angeboten, etwa am Koç Lisesi, an der Eyüboğlu-Schule, der British International School, der IICS, der Enka-Schule und dem Alev Lisesi. Wer das IB-Diplom erwerben möchte, muss parallel zum MEB-Programm sechs Fächer belegen: drei Fächer auf höherem Niveau mit insgesamt 240 Stunden, die Fächer auf Standardniveau mit insgesamt 150 Stunden. Das IB-Programm kann auf Englisch, Spanisch oder Französisch absolviert werden; die Schulen in der Türkei bieten es jedoch überwiegend auf Englisch an.
Neben dem IB hat in letzter Zeit auch das Abitur an Bedeutung gewonnen, da immer mehr Schülerinnen und Schüler ein Studium in Deutschland anstreben. Wie beim IB beginnt das Abitur-Programm in der 11. Klasse. In Istanbul bieten das İstanbul Alman Lisesi (Deutsche Schule Istanbul) und das İstanbul Erkek Lisesi das Abitur an. Der Vorteil des Abiturs gegenüber dem MEB-Abschluss: Wer in Deutschland studieren möchte und nur mit dem MEB-Abschluss die Schule beendet, erhält das ÖSYM-Zulassungsergebnis (aus der YKS, der türkischen Hochschulzugangsprüfung) erst im August. Das bedeutet, dass sich der Studienbeginn um ein Semester verschiebt, denn die Bewerbungsfristen in Deutschland enden spätestens am 15. Juli. Da das ÖSYM-Ergebnis nicht rechtzeitig vorliegt, muss auf das folgende Semester gewartet werden. Wer dagegen das Abitur hat, erhält sein Zeugnis bereits im Juni, hält die Bewerbungsfrist ein und beginnt das Bachelorstudium im Oktober. Studierenden, die mit ihrem ÖSYM-Ergebnis in Deutschland studieren möchten, empfehlen wir allerdings einen einsemestrigen Intensivsprachkurs. So beginnen auch sie ihre Ausbildung im Ausland bereits im Oktober.
Die Matura wiederum ist ein in Österreich anerkannter Abschluss. Wie beim Abitur erwerben Sie ihn durch zusätzliche Kurse und Prüfungen über die MEB-Fächer hinaus. Ohne Matura ist die Voraussetzung für ein Studium in Österreich, dass Sie über die ÖSYM einen Studienplatz in Ihrem Wunschfach erhalten und sich dort einschreiben. Derzeit bietet ausschließlich das österreichische St. Georgs-Kolleg (Sankt Georg) das Matura-Programm an. Für die Matura legen die Schülerinnen und Schüler sechs Prüfungen ab: drei schriftliche und drei mündliche. Wer die Matura erwerben möchte, darf in der 9. und 10. Klasse keine ungenügenden Jahresnoten haben. Außerdem muss der Jahresdurchschnitt in Türkisch, Englisch, Mathematik, Biologie, Physik und Chemie mindestens 3 betragen. Schließlich muss vor Beginn der 11. Klasse das Österreichische Sprachdiplom (ÖSD) auf Niveau B2 vorliegen.
